„Manchmal ist Selbstschutz wichtiger als die Erfüllung des Beziehungswunsches“: Interview mit AB-Coach Klaus Schorn, Teil 2

Im letzten Beitrag hat Klaus Schorn, Heilpraktiker und AB-Coach aus Offenburg, erklärt, wie bei ihm ein AB-Coaching funktioniert und an welchen Zielen Betroffene dort arbeiten können. Nun folgt Teil 2 des Interviews über den Selbstschutzmechanismus bei Unerfahrenen und Schorns eigene Erfahrungen als Ex-AB.

Klaus SchornHerr Schorn, warum ist es wichtig für Betroffene, ein Coaching bei einem Therapeuten zu machen, der sich mit ABs auskennt?

Ich glaube, dass auch Therapeuten ohne AB-Erfahrung gute Arbeit leisten können. Vielen von ihnen ist die Thematik jedoch völlig fremd. Beziehungslosigkeit ist keine Krankheit und wird deshalb in den psychologischen Ausbildungen nicht gelehrt. Der erste Impuls des Therapeuten ist dann auch oft nicht professionell, sondern aus eigener Alltagserfahrung heraus: „Na, Sie sehen doch ganz normal aus, Sie müssen einfach mehr unter Menschen, dann klappt das schon.“ Da braucht es dann einige Erklärungen, dass es so einfach eben nicht ist. Dass z.B. nach vielen Enttäuschungen der Selbstschutz wichtiger werden kann als die Erfüllung von Wünschen. Das ist ein Umweg, der bei einem Therapeuten oder Coach wegfällt, der mit dem Thema vertraut ist.

Gibt es auch Fälle, in denen der klassische Therapeut die bessere Wahl ist?

Nur falls schwere psychische Beeinträchtigungen vorliegen, ist eine klassische psychotherapeutische oder psychiatrische Begleitung erst mal sinnvoller. Eine akute Depression ist z.B. kaum der Zustand, wo man in Liebesdingen zu neuen Ufern aufbrechen kann.

Auf Ihrer Website outen Sie sich selbst als Ex-AB – wie war das bei Ihnen mit der langjährigen Unerfahrenheit und wie konnten Sie diese schließlich durchbrechen?

Ich war als Kind vorsichtig bis ängstlich dem Leben gegenüber. Neue Situationen überforderten mich, ich suchte Halt in der Routine. Das hielt sich lange und vertrug sich natürlich nicht gut mit Flirten, Lust und Sinnlichkeit. Die katholische Kirche hatte außerdem gute Arbeit bei mir geleistet, einen entspannten Zugang zur Lust zu verhindern. So verpasste ich den Anschluss. Ich war so vorsichtig den Frauen gegenüber, dass ich öfters vorsichtig gefragt wurde, ob ich schwul sei. Die Sehnsucht nach den Frauen war aber definitiv da! Was also tun?

Ich ging zu einer Prostituierten, um endlich meine Jungfräulichkeit los zu werden. Das war ein spannender, sehr angenehmer Abend, nur fühlte ich mich danach immer noch als Jungfrau. Ich hab damals lieber geschrieben als geredet. Also nutzte ich die Bekanntschaftsanzeigen in der Zeitung. Das führte sogar zu einigen Treffen, die allesamt nicht über ein, zwei mal Kaffeetrinken hinaus gingen, wenigestens aber schöne Nachmittage brachten. Und dann ergab sich ein Kontakt, der ein halbes Jahr lang nur per Telefon lief. Als wir uns dann endlich gegenüber standen, funkte es ziemlich schnell. Ich gestand ihr meine Unerfahrenheit, sie reagierte freundlich aber reserviert: „Das will frau nicht, denn den lernst du an und dann ist er weg!“ Das war bitter. Ich nahm allen Mut zusammen, ging am nächsten Tag trotzdem noch mal hin, hatte Blumen dabei, küsste sie irgendwie (ich hatte das vorher an meiner eigenen Hand ausprobiert…) und dann geschah es, dass wir doch im Bett landeten. Das klappte dann überraschend gut. Die Beziehung hielt nicht lange, aber der Bann war gebrochen. Hätte dieses Mädchen damals abfällig oder verächtlich reagiert weiß ich nicht, ob ich mich noch mal irgendwann getraut hätte.

Da scheint es mir doch sinnvoller, wenn man sich selbst vorbereiten kann und nicht nur auf das Verständnis eines anderen Menschen hoffen muss, der vielleicht mit der Situation auch überfordert ist.

Vielen Dank bis hierhin, Klaus Schorn! Der nächste Interviewteil zum Thema Kuschelpartys folgt die Tage hier im Blog!

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