Inhalt und Zielgruppe

Dieses Buch beinhaltet eine Einordnung des Phänomens Erwachsene ohne Sex- und Beziehungserfahrung in die Zusammenhänge des thematischen Dreiecks Liebe, Sex und Gesellschaft im 21. Jahrhundert. Es basiert auf 22 Interviews mit Betroffenen zwischen 20 und 49 Jahren, von denen 10 als eigene Kapitel und die anderen auszugsweise einfließen. In einer abschließenden Analyse werden die Interviews ausgewertet und verglichen, um das Spektrum der Lebenswelten der Absolute Beginners, ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede, darzustellen. Tipps von Experten und Ehemaligen runden das Buch ab. Es richtet sich an Betroffene genauso wie an Angehörige oder erste Partner von Betroffenen. Es liefert sowohl Hintergrundfakten für Journalisten als auch wertvolles Anschauungsmaterial für Psychologen und Therapeuten. Buch bestellen.

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5 Kommentare zu “Inhalt und Zielgruppe

  1. Als behinderter Betroffener habe ich das Buch mit zunächst sehr großen Interesse gelesen. Sehr schnell merkte ich, dass sich das Buch AUSSCHLIEßLICH mit der Situation heterosexueller, zumindest halbwegs physisch gesunder und nichtbehinderter ABinen und Abs beschäftigt. Diejenigen aus dem Bereich LGBTI oder mit Behinderungen oder chronisch kranke ABinen und ABs werden konsequent ausgegrenzt.
    Warum es mit Behinderten und chronisch Kranken so ist, habe ich vermutlich verstanden, als ich auf folgende Passage stieß: „Nun soll hier keineswegs der Eindruck entstehen, mit einer schwerwiegenden Beeinträchtigung wie Epilepsie oder einer Essstörung müsse man sich als Absolute Beginner abfinden, wenn man einen Partner abbekommen will.“ (S. 174) Da verstand ich, dass Menschen mit „schwerwiegenden Beeinträchtigungen“ für einen gesunden und daher vollwertigen Menschen, und sei sie/er auch AB, kein akzeptabler Partner ist. Sollte es doch mal zu einer Partnerschaft zwischen einem Menschen und einem mit einer „schwerwiegenden Beeinträchtigung“ kommen, ist es wohl eher als ein Gnadenakt des gesunden Menschen gegenüber dem mit der „schwerwiegenden Beeinträchtigung“ zu verstehen.

    • P.S. Ich meinte, dass für Frau Roedenbeck Menschen mit „schwerwiegenden Beeinträchtigungen“ für gesunde Menschen keine Akzeptablen Partner seien. Ich habe selbstverständlich diese Ansicht nicht.

    • Hallo Michael, vielen Dank für deinen Beitrag. Ich habe mit einem chronisch kranken Menschen Kontakt, der das Buch gelesen hat und sich darin wiederfindet, obwohl es keinen Interviewpartner darin gibt, der an einer chronischen Krankheit leidet. Diese Betroffenen trennen die zwei Aspekte: ihre chronische Krankheit und ihre Beziehungslosigkeit.
      Ich habe sowohl homosexuelle ABs als auch chronisch kranke ABs oder ABs mit Behinderungen nicht im Buch erwähnt, das ist richtig. Ich habe diese Aspekte des Themas nicht bewusst ausgeklammert, sondern es war einfach so, dass die Recherchen sowieso schon sehr schwierig waren, weil kaum jemand über das Thema sprechen wollte, und dass mir die genannten Aspekte einfach im Rahmen der Recherche nicht begegnet sind. Ich habe ja auch kaum Experten gefunden, die sich zu dem Thema äußern wollten und mich auf diese Aspekte noch hätten hinweisen können. Ich konnte nur über die Menschen und ihre Lebenswelten schreiben, mit denen ich auch gesprochen habe. Jetzt im Nachhinein betrachtet denke ich, es wäre der Vollständigkeit halber sicher gut gewesen, explizit noch nach homosexuellen Betroffenen oder Betroffenen mit Behinderung zu suchen und sie zu Wort kommen lassen – wäre ich mir dieser Aspekte bewusst gewesen. Andererseits: Kein Buch kann ein Thema zu 100 Prozent mit allen Facetten abhandeln. Das ist doch das Schöne, dass sich weitere Autoren und Experten mit dem Thema befassen können, wenn immer neue Aspekte auftauchen, die es auch noch verdient haben, beleuchtet zu werden.
      Gleichzeitig denke ich, das Thema „Sexualität von Menschen mit Behinderung“ ist ein eigenes komplexes Thema, und es hätte auch schiefgehen können, dieses „Fass aufzumachen“ und nur anzureißen. Wahrscheinlich kann man das nur umfangreich oder gar nicht behandeln. Wie viele Leser bestätigen, habe ich sehr viel Wert darauf gelegt, mich dem Thema sehr sensibel zu nähern, und gerne nehme ich daher deine Kritik an diesem etwas missverständlich oder unglücklich formulierten Satz an. Deine Interpretation ist jedoch nicht richtig und der Satz ist aus dem Zusammenhang gerissen. Das Buch handelt von der Perspektive der körperlich und psychisch gesunden ABs. Ihnen war es wichtig herauszustellen, dass das typische Vorurteil „Der hatte noch nie eine Beziehung, na klar, dann ist er bestimmt irgendwie psychisch nicht ganz auf der Höhe“ nicht stimmt. Keineswegs habe ich oder einer meiner Interviewpartner gesagt, dass Menschen mit Beeinträchtigung als Partner weniger Wert sind. Aber in dem gesamten Buch geht es darum, dass unsere Gesellschaft den Wert eines Menschen an seiner sexuellen Erfahrung misst, und dass alle, die aus diesem Raster fallen – weil sie nicht dem Schönheitsideal entsprechen, eine Beeinträchtigung haben, schüchtern sind oder oder oder und dadurch weniger sexuelle Erfahrung haben – es schwer in einer solchen Gesellschaft haben. Und du wirst mir zustimmen oder hast es in deinen Ausführungen ja bereits getan, dass Menschen mit einer Beeinträchtigung durch das Raster fallen genauso wie ABs. Das Ziel kann es aber nicht sein, dass die schönen, perfekten, reichen, sexuell erfahrenen und sonstwie privilegierten Menschen (die es ja oft nur auf den ersten neidvollen Blick so gut haben und auf den zweiten Blick doch auch ihr Päckchen zu tragen haben) sich nur mit ihresgleichen paaren und alle anderen sich mit irgendwie „unperfekten“ Partnern zufriedengeben müssen. Sondern ein AB sollte genauso wie alle anderen die Wahl haben, was ihm an einem Partner wichtig ist.
      Also, Fazit: Es tut mir sehr leid, dass du dich im Buch nicht wiederfindest. Wie wäre es, wenn du einen Gastbeitrag für diesen Blog schreibst, in dem du deine persönliche Sicht und den besonderen Aspekt von ABs mit Behinderung beleuchtest? Gerne würde ich ihn hier veröffentlichen. Viele Grüße, Maja

  2. Liebe Frau Roedenbeck!
    Ich habe Ihr Buch soeben durchgelesen. Für mich als 30-Jährigen AB war es hochinteressant, den Lebensgeschichten der Interviewten in dem Buch zu folgen und mir dabei klar zu machen, dass die Zahl der AB gar nicht sooo verschwindend gering ist. Mir ist dann selbst auch bewusst geworden, wieviele AB oder wenigstens ehemalige AB ich eigentlich kenne. Ich bin sehr dankbar, dass Sie dieses Buch veröffentlicht haben. Aber ich schätze mal, so werden die meisten AB auf ein solches Buch und seinen Inhalt reagieren und solche Kommentare werden Sie schon öfter gehört haben.
    In einem Punkt muss ich mich der Kritik des Vorredners allerdings anschließen: Ich bin schwul und habe mich in dem Buch in dieser Hinsicht ebenfalls nicht wiedergefunden. Ich würde nicht so weit gehen, zu sagen, dass Sie Homosexuelle bewusst ausgrenzen wollten, geschweige denn irgend ein LGBTI-Fass aufmachen… und ich glaube nur zu gerne, dass Sie auf Ihren Aufruf in den einschlägigen Foren niemanden gefunden haben. Aber ehrlich gesagt hat das Buch in dieser Hinsicht meine Erwartungshaltung nicht erfüllt, da es an keiner Stelle erwähnt, dass homosexuelle AB darin nicht vorkommen und ich dann zum Ende zunehmend ungeduldig wurde, wann denn endlich eine Geschichte käme, in der ich mich vielleicht wiederfinden könnte. Genau das ist nämlich der Grund, der mich zu Bücher wie dem Ihren geführt hat. Über homosexuelle AB weiß das Netz fast überhaupt nichts. Ich finde sie nicht in den Foren, nicht in Aufsätzen oder Zeitschriften. Dabei lassen sich die Erfahrungen und Hinweise von heterosexuellen AB auch nicht ohne Weiteres übertragen. Das fängt bei der ja leider sehr auf sexuelle Erfahrung bauenden Erwartungshaltung möglicher Partner an, denen man dann instinktiv aus dem Weg geht, geht über die Ängste, sich „in die Szene zu wagen“ und weiter zu dem Problem, dass der Pool möglicher Partner leider noch mal wesentlich kleiner ist als bei den Heteros. Die einzige biologische Uhr, die tickt, ist die des Alterns und der Angst, mit der Schwelle der 30 irgendwann so an Attraktivität zu verlieren, dass man den Sprung nicht mehr schafft. Und das, obwohl man mit beiden Beinen im Leben steht, ein aktives soziales Netz hat, sich nicht einmal für unattraktiv und auch nicht für feige hält, nur eben gerne gelesen hätte, dass es anderen so geht wie einem selbst. Und wer es mit welcher Strategie vielleicht auch wieder herausgeschafft hat. Sie merken: Hätte ich von Ihrem Aufruf gewusst, ich hätte Ihnen meine Geschichte sehr gerne erzählt.
    Ich weiß nun nicht, ob ich Sie zu einer Fortsetzung Ihres Buchs ermuntern kann. Aber mich würde natürlich interessieren, wie groß die Grauziffer bei Menschen wie mir sind, die gleich in zwei solcher Gruppen fallen. Und wie viele vergleichbare Biografien es gibt, Vielleicht wissen Sie von anderen Autoren, von Studien oder Veröffentlichungen, die ich noch nicht kenne.
    Ich freue mich auf Ihre Antwort!

    • Hi Christian, danke für deinen Kommentar und dein konstruktives Feedback! Dass das Thema homosexuelle ABs im Buch fehlt, kann ich nun nicht ungeschehen machen, es tut mir wirklich leid. Da habe ich nicht ausreichend recherchiert. Eine Fortsetzung des Buches wird der Verlag wohl auch nicht in Auftrag geben, denn die erste Auflage ist zwar ausverkauft, aber eine zweite würde sich wohl nicht ausverkaufen. Ich kann dich nur einladen, wie ich es auch bei deinem Vorredner getan habe, deine Geschichte hier im Buch-Blog zu erzählen, in dem ich das Thema Absolute Beginners weiterverfolge. Schreib mir deine Geschichte an redaktion[at]maja-roedenbeck.de, dann veröffentliche ich sie gerne! Ich würde sie auch sehr gerne lesen. LG, Maja

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